Moos als Feinstaubkiller – Mehr als nur eine kleine unscheinbare Pflanze!


Was ist eigentlich dieses Moos?
Jeder kennt sie, läuft oft am Tag an ihr vorbei und schenkt ihr dennoch keine Aufmerksamkeit – einer
kleinen blütenlosen Sporenpflanze, auch Moos genannt.
Sie erscheint als wunderschöner, strahlendgrüner, dichter, großer Teppich am Waldboden, aber sieht
einer Pflanze, wie wir sie uns vorstellen, gar nicht ähnlich. Obwohl sie es gerne feucht hat, wächst sie
ebenfalls an den willkürlichsten, trockensten Orten. Dazu zählen nackte, sonnige Felsen, Dachziegel
und sogar Wüsten. Dies ist möglich durch das Vorhandensein von Zellfäden anstelle von Wurzeln, die
dem Moos den nötigen Halt geben. Es ist also sehr widerstandsfähig, genügsam und pflegeleicht,
weshalb die Moospflanze schon im Mittelalter eine Vielzahl an Funktionen erfüllte, beispielsweise auf
dem stillen Örtchen als Toilettenpapier oder als Windeln. Auch diente Moos als Füllmaterial für
Matratzen und Polster, als Sargfüllung und als Verpackungsmaterial beim Versand von zerbrechlicher
Ware. Wie Farnarten und Flechtenarten zählen Moose zu den ältesten, lebenden Pflanzen, die mit
ihren rund 16.000 verschiedenen Arten zudem einen Nutzen in der Medizin und Naturheilkunde
aufweisen. Aufgrund ihrer antiseptischen (desinfizierenden) Wirkung wird das sogenannte Torf-Moos
für Torfbäder oder Torfpackungen benutzt. Auch wird die antimikrobielle Wirkung in der Traditionellen
Chinesischen Medizin in Form von Heilpflanzen und -kräutern oder Moos-Tinkturen für Hals-, Mandel-
oder Ohrenentzündungen genutzt. Weiterhin kann es Mikroorganismen (Bakterien und Pilze)
bekämpfen, wodurch es in früheren Zeiten als Wundkompressen und als Inhaltsstoff von Wundsalben
verwendete wurde. Ganz schön viele breitgefächerte Anwendungen für eine solch kleine,
unscheinbare Pflanze, nicht wahr? Und es sind noch längst nicht alle aufgeführt.
Was für eine Power steckt also noch in diesem Pflänzchen und wie kann man diese gezielt nutzen?
Hierzu ist wichtig zu wissen, wovon sich Moose „ernähren“. Ein entscheidender Nährstoff, den
Moospflanzen für ihr Wachstum benötigen, ist Ammonium. Wie praktisch, dass Ammoniumionen 40%
des giftigen Feinstaubs ausmachen! Die Blättchen der Pflanzen ziehen die Mikropartikel magisch aus
der Luft magisch. Sie arbeiten also wie ein biologisches Mikrofaser-Staubtuch! Hinzukommt, dass
alleine eine Moosfläche von einem Quadratmeter fünf Millionen kleinste Blättchen aufweist.

Eine ebenso wertvolle Eigenschaft ist das Verdauen dieser gefährlichen Partikel. Folglich werden sie nicht
nur durch die Pflanzen festgehalten, sondern sofort verwertet. Neben dem Wachstum für das Moos
selbst, erfreuen sich auf den Moosblättchen befindliche Bakterien über andere Bestandteile des
Staubs. Feinstaub wird also als Biomasse verwendet.
Die Kombination dieser Eigenschaften machen Moose somit zum idealen Feinstaub-Killer!
Was wurde bisher im Bereich Bekämpfung von Feinstaub getan und was steht noch in Zukunft an?
Bislang wurden so genannte Moosmatten zur Begrünung von Autobahnen, beispielsweise die
Bundesautobahn 562 in Bonn, hergestellt. Ursprünglich wurden diese Matten für die Dachbegrünung
in Städten konzipiert und sind nun durch ihre minimalen Zuwachsraten und ihrer Lebensdauer von 10
15 Jahren eine pflegeleichte Methode für die Bekämpfung von giftigen Feinstaubpartikeln. Sie
benötigen lediglich genügend Feuchtigkeit, um ihre Wirkung entfalten zu können.

Eine weitere Innovation wurde von dem 2014 gegründete Start-Up-Unternehmen Green City Solutions entwickelt,
die das globale Problem der Luftverschmutzung mittels Mooswände in den Städten lösen wollen.
Hierbei werden vier Meter hohe und drei Meter breite, freistehende, beidseitig mit Moos bepflanzte
Wände vertikal aufgestellt, die als natürliche Filter für eine bessere Luft dienen. Eine Wand kostet
25.000€, die jedoch so viel Feinstaub wie 275 Bäume schlucken kann. Die Lebensdauer beträgt
ungefähr 10 Jahre und die Pflege 2000€ im Jahr. Zum Vergleich: Der Kauf und die Anpflanzung eines
Straßenbaums kostet inkl. einer dreijährigen Pflege rund 1200€! Weiterhin wird das Moos alle sechs
Monate geschnitten und darauf geachtet, dass der Wassertank stets gefüllt ist. Ist dieser leer, wird dies
über eine einfache Email mitgeteilt. Hiermit nicht genug! Der benötigte Strom für die Messung des
Wasserstands wird über Solarzellen gewonnen und ein Auffangsystem für Regenwasser ist ebenfalls
integriert. Außerdem kann die Wand als Werbefläche genutzt werden, sodass sie dadurch finanziert
werden kann.

Derzeit sind die Mooswände in Dresden, Klingenthal, Oslo, Hongkong und Berlin
vorzufinden. Durch das Einbringen eines Stücks Natur in die Städte, ist der dekorative Aspekt ein
weiterer Vorteil der biologischen Filter.
Also… Back to basics! Es ist wichtig die Natur zu nutzen, um sie gleichzeitig zu schützen. Denn eines ist
bereits jetzt klar: Die Feinstaubpartikel sind hochgiftig! Sie kosten nach Schätzungen der EU
Kommission jährlich 300.000 Europäern das Leben.